
Vorreiter für die Schulreform in NRW
Die Ratsfamilie trauert um Oberstudiendirektor Mattonet
"Hohes Alter ist kein Verdienst, es ist
eine Gnade", hatte Hubert Mattonet
an seinem 95. Geburtstag im Herbst
vergangenen Jahres gesagt. Als ich
ihm gratulierte, versprach er: "Wir
sehen uns auf dem Rendalia-Fest -
in alter Frische!" Diese Teilnahme ist
ihm jedoch nicht mehr vergönnt. Er
starb am 17. April 2009.
Dem ehemaligen Schulleiter verdankt
das Ratsgymnasium den Ruf
als liberale Lehranstalt, die es als ihre
Aufgabe ansieht, Kinder und Jugendliche
zu freien, selbstbewussten
Demokraten zu erziehen. Seine
Schüler sollten nie das Gefühl haben,
nur fremdbestimmt zu sein,
wie er es während der Zeit des Naziregimes
hatte erleben müssen. Mit
seinem Buch "Jeder Student ein SAMann"
schrieb er sich den Albtraum
von der Seele.
Seine Maxime bestand die erste große Bewährungsprobe in der Krisenzeit
der "wilden 68er", als Schüler mehr Mitbestimmung einforderten. Mattonet
unterstützte die Idee der jungen "Rebellen" auch gegen den Widerstand eines
Teils des Lehrerkollegiums. Der Erfolg: Das Ratsgymnasium wurde mit
seinem "Versuchsmodell für eine reformierte Oberstufe" zum Vorreiter der
Schulreform in NRW: Die Klassenverbände wurden aufgehoben, und die
Schüler können seitdem ihre Lehrer in den Kursen wählen.
Unter der Ägide von Schulleiter Mattonet wurde es zu einem der größten
Gymnasien im Regierungsbezirk. 1974 wandelte sich die bis dahin reine
"Knabenschule" zu einer koedukativen Lehranstalt.
Als Sohn des Bürgermeisters am 9. Oktober 1913 in Püttlingen im Saarland
geboren, zog die Familie später nach Warendorf, wo er 1933 sein Abitur am
Laurentianum machte. Nach dem gesetzlich verordneten "Werkhalbjahr" in
einem Arbeitslager, studierte er in Münster Deutsch, Geschichte und Philosophie.
Trotz Kriegsdienstes von 1939 bis 1945 in Russland und Italien bestand
er 1940 mit einer Sondergenehmigung sein Hochschulexamen. 1945 kehrte
er aus amerikanischer Gefangenschaft zurück. Zunächst Lehrer am Paulinum,
leitete er vom 22. Mai 1958 bis zum 31. Juli 1979 das Ratsgymnasium
mit höchst anerkanntem Erfolg.
Klaus-Jürgen Schulz