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Rats auf Reisen : Berichte aus dem Ausland
Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Niklas Wesseler in Argentinien, März 2008
Hallo, zuerst muss ich mich dafür entschuldigen, solange nichts mehr von mir hören gelassen zu haben. Es gibt dafür
jetzt eine lange Geschichte vieler aneinandergereihten Geschehnissen.
Weihnachten: Eigentlich ist Weihnachten hier
wie jeder andere Tag auch. Man steht auf, frühstückt, wartet aufs Mittagessen, schläft anschließend Siesta...Danach
machten wir uns auf den Weg in die Nachbarprovinz Mendoza, um zusammen mit der Familie meines Gastvaters zu feiern.
Da mein Gastvater allerdings bis um 7 Uhr geschlafen hat, kamen wir erst um 10 Uhr abends an. Auf dem Weg ist mir
einmal fast das Herz stehen geblieben. Der Grund: Argentinier haben ein sehr hitziges Temperament und sind sehr
stolze Menschen. Daher lassen sie sich auch nicht gerne überholen. Auf einer -einspurigen- geraden Strecke wollte
mein Gastvater ein altes, ja quasi schrottreifes, Auto überholen, welches recht langsam vor uns herfuhr. In weiter
Ferne sah man einen LKW heranrollen, welcher allerdings noch gut einen guten Kilometer weit weg war (in dieser
Steinwüste gibt es nichts, was die Sicht versperren könnte). Doch als wir zum Überholen ansetzten, beschleunigte
auch unser "Gegenspieler" So fuhren wir nebeneinander Kopf an Kopf und keiner wollte aufgeben. Selbst das
Androhen, uns von der Straße zu drängen, brachte meinen Gastvater nicht dazu, aufzugeben. Und der LKW kam
immer näher. Quasi in der letzten Sekunde schafften wir es doch noch, diesen Verrückten zu überholen. Im
Haus meiner neuen Großeltern angekommen, gab es auch schon das Abendessen. Da aber keiner die Zeit aufbringen
wollte, zu so später Stunde noch Asado zu grillen, gab es Empanadas (kleine Teigröllchen mit Fleisch- oder
Schinkenfüllung *sehr lecker*) und "normale" Steaks. Dazu einen sehr süßen aber leckeren Rotwein, welcher
von meinem Onkel selbst hergestellt wurde! Weihnachten hier in Argentinien gleicht eher Silvester als
Weihnachten in Deutschland. Kurz vor Mitternacht wurde der sündhaft teure, aus Frankreich importierte
Champagner rausgeholt um anzustoßen. Währenddessen war der Himmel erfüllt von den Lichtern der
Feuerwerkskörper, die in allen möglichen Farben leuchteten.
Silvester: Silvester und Neujahr feierten
wir dann Zuhause in San Juan. Die Großeltern kamen gegen Mittag an, um zusammen mit uns das neue Jahr
zu begrüßen. Am Abend haben bei einem Rotwein zusammen gesessen und geredet. Einigen Leuten auf der
Straße begannen, weil sie das neue Jahr nicht erwarten konnten, bereits eine Stunde vorher damit,
ihren Vorrat an Feuerwerkskörpern zu verschießen. Da auch hier seit dem 30. Dezember die Sommerzeit
gilt, war das Jahr 2007 nur 3 Stunden länger für mich als für euch in Deutschland. Um Mitternacht
begannen alle damit ihre Munition zu verschießen und den Himmel zu erleuchten. Später machte
ich mich zusammen mit meiner Gastschwester und ihren Freunden auf in eine "Freilichtdisco". Eigentlich
darf man in diese Discos erst ab 18 , aber meine Gastschwester stellte uns als Zwillinge vor. Sie
machte einen auf "große" Schwester und erzählte, dass ich ihr Brüderchen wäre und sie ganze 5 Minuten
älter sei und als die Größere von uns beiden die Verantwortung tragen würde... Daraufhin begann der
Türsteher zu schmunzeln (wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass ich mehr als einen Kopf größer
bin als sie), klopfte mir mitleidsvoll auf die Schulter und wir konnten eintreten. Trotz der Tatsache,
dass wir unter Sternenhimmel feierten und es 3 Uhr nachts war, liefen alle mit T-Shirts rum. Wir hatten
30*C um diese Uhrzeit!
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Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Niklas Wesseler in Argentinien, März 2008
Reisen: Nachdem ich schon fast dachte, dass ich von Argentinien kaum etwas zu
sehen bekomme, entwickelte sich der Monat Februar zu meinem Reisemonat. Es wurde eine AFS-Reise in
den Süden angeboten. Die Bezahlung gestaltete sich aber etwas schwierig, da die Geldmenge, die man
mit der Post-Card abheben kann, begrenzt ist. Eine Überweisung aus Deutschland hätte den Betrag
durch Bearbeitungsgebühren und schlechte Wechselkurse fast verdoppelt. Aber nun zu meinem Reisebericht:
Perito Moreno! Die Reise durch Patagonien, dem Ende der Welt!
Nun war es also so weit. Nach gut 6 Monaten
also meine erste richtig lange Reise. Da diese Reise vom AFS-Komitee der gut 1000 km südlich gelegenen
Provinz Neuquen (kann man vorwärts und rückwärts schreiben und lesen) organisiert wurde, musste ich
erstmal, wie all die anderen Austauschschüler auch, dorthin gelangen. Schon das alleine war eine
Herausforderung. Denn genau an diesem Wochenende hat die Uni von Mendoza zum Einschreiben gerufen.
Und da mein Bus durch Mendoza Capital ging, haben sich die ganzen verwöhnten Studenten die
bequemeren Schlafbusplätze gemietet, anstatt die extra für Studenten vorgesehen Direktverbindungen
zu nehmen. Sehr zum Leidwesen derjenigen, welche weiter reisen mussten. Denn von Mendoza nach Neuquen
gab es viele freie Plätze. Und so begann meine Reise am Sonntag, den 3. Februar, um 18:00Uhr Ortszeit.
Die Reise dauerte gut 13 Stunden. Endlich in Neuquen angekommen, wurde ich herzlich vom Komitee und
meiner Tagesfamilie begrüßt. Auf dem Weg erfuhr ich, dass auch ein Franzose im Haus wäre, welcher
mit mir auf Reisen gehen sollte (es stellte sich sogar heraus, dass es mein bester Freund der Reise
werden sollte). Die beiden Tage in Neuquen verliefen sehr unspektakulär. Wir besichtigten den Stausee,
das Zentrum, den Fussballplatz (ein Spielchen Europa (Frankreich & Deutschland) gegen Argentinien.
Wir gewannen natürlich ;) und natürlich die nächtlichen Freizeitanstalten. Am 5 Februar abends um
9 Uhr versammelten sich dann alle Austauschschüler im Zentralpark und warteten auf den Bus. In
dieser Zeit ging bereits der übliche Small Talk los. Wie heisst du? Wo kommst du her? Wo wohnst
du gerade? usw... Alles natürlich auf spanisch (dazu ist zu sagen, dass es hier die Schüler von
AFS und die deutschsprachigen Schüler von AFS gab. Es waren gut 13 deutschsprachige Schüler, daher
warst du eigentlich immer mit einem zusammen, welcher deutsch sprechen konnte. Trotzdem bin ich
eher bei spanisch geblieben.) Die 20 stündige Busfahrt verbrachten die meisten schlafend. Ich
setzte mich mit einigen Nachbarn zusammen und spielte "Truco", welches sich dank uns schnell zum Spiel der Reise
entwickeln sollte (auf Busfahrten wurde quasi nur Truco gespielt). Da es allerdings tiefste Nacht war, mussten
wir uns irgendwelche Taschenlampen suchen um die Karten überhaupt sehen zu können.
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Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Niklas Wesseler in Argentinien, März 2008
Als wir endlich, nach 21
Stunden, an unserem erstem Reiseziel ankamen, war es schon wieder Mittag. Der Ort hieß (oder heisst wahrscheinlich
immer noch so) Comodoro Rivadavia. Er liegt an der Küste im Süden Chubuts. Die Stadt ist eine der wichtigsten
Städte im Bezug auf die Ölförderung. Wir blieben für eine Nacht im Hotel. Bei der Zimmereinteilung wurde ich
eingeteilt mit dem Franzosen (^^) und einem USAmerikaner, welcher unglaublich gut Spanisch sprach und fast alle
Wörter wusste, allerdings einen fürchterlichen, aber typisch nordamerikanischen Akzent hatte. Das Zimmer war
klein, die Betten leider noch kleiner. Aber wir nahmen es mit Humor und veranstalteten erstmal eine
Kissenschlacht mit den harten Kissen. Später gingen wir noch in eine Bar. Nach einer kurzen Weile wurden
wir dort jedoch rausgeschmissen, weil einige von uns noch minderjährig waren. Also wechselten wir in
eine Kneipe mit Musik und Bar. Tranken ein bisschen und tanzten. Am nächstem Tag mussten wir wieder
früh aufstehen. Nach nur etwa 2 Stunden Schlaf! Doch nach 3 Tassen schwarzem Kaffee, welcher sogar
Tote wieder aufgeweckt hätte, konnte ich wenigstens meine Augen wieder öffnen. Den restlichen Tag
besichtigten wir die Stadt, den Berg und das Meer. Und selbst der eisige Wind und die Tatsache, dass
ich meine Badehose vergessen hatte, konnten mich nicht von meinem erstem Atlantikgang abhalten! Gegen
Abend ging es weiter Richtung Ende der Welt.
Nach weiteren 24 Stunden Fahrt kamen wir endlich in
Calafete, dem Vorort des Gletschers "Perito Moreno," an, Leider konnten wir an diesem Tag noch
nicht zum Gletscher. Doch den "Lago Argentino" (der grösste See Argentiniens und einer der grössten
Seen der Welt) konnten wir sehen. Am nächstem Tag gingen wir endlich zusammen zum Perito Moreno.
Schon der Nationalpark war atemberaubend schön. Diese Art von Bäumen hatte ich zuvor noch nie
gesehen. (Höchstens im Kino. Man sagt, diese wären auch im Film: Der Herr der Ringe vorgekommen.
Halt nur auf der anderen Seite der Welt) Und als wir dann zum Perito Moreno kamen, verschlug es mir
wirklich die Sprache (beide sogar!) Das war das Schönste, was ich je gesehen habe. Dieser Gletscher
ist jedoch völlig anders als die "normalen" Gletscher. Er erstreckt sich nicht in die Höhe, sondern in die Länge.
Die Zunge reicht bis an den See. Es sah aus wie eine Wand aus Eis. Und das Lustige daran war, dass es den totalen
Kontrast zu den umliegenden (grünen) Bergen herstellte. Aber auch das Wasser war wunderschön. Solch ein klares
Türkis hatte ich vorher noch nie gesehen. Zur Info: Der Perito-Moreno-Gletscher ist Teil des Campo de Hielo Sur,
einem riesigen kontinentalen Gletschergebiet( 356 Gletscher auf 724 000 ha) und Teil des als UNESCO-Weltnaturerbe
eingestuften Nationalpark Los Glaciares. Er ist einer der wenigen Gletscher außerhalb der Antarktis und Grönlands
ist, der noch kontinuierlich wächst. Nach einer Länge von etwa 60 km schiebt sich die über 5 km breite Zunge
in den Lago Argentino. Ständig brechen hier Stücke des 60 m hohen Gletschers ab und verursachen meterhohe
Flutwellen im See. Pro Tag schiebt sich der Gletscher etwa 2 m vorwärts!!! Wir verbrachten den ganzen Tag in
der Nähe des Gletschers und genossen die Aussicht. Am Sonntag machte ein Teil der Gruppe eine Bootstour zu
den anderen Gletschern. Meine Gruppe machte eine Trekking-Tour auf dem Perito Moreno. Zuerst fuhren wir mit
einem Boot in die Nähe des Gletschers, wo die "Bergmänner/Reiseführer" bereits auf uns warten, uns einiges
über den Gletscher erklärten und uns zeigten, wie man richtig übers Eis läuft. Anschließend wurden uns die
Eisenstollen unter die Schuhe gebunden und wir machten uns auf den Weg. Die Anderen mussten oft auf uns
warten, weil wir die verrücktesten Fotos machten. Zum Beispiel, als ich unbedingt meinen Kopf in einer Spalte
voller Eiswasser tauchen wollte =) Am Ende des Ausflugs stand dann noch für jeden ein Glas Whisky mit
Gletschereis (Whisky on the rocks!) bereit.
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Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Niklas Wesseler in Argentinien, März 2008
Am nächsten Tag fuhren wir wieder Richtung Norden. Unser
Ziel war Trelew (dort, wo meine Familie früher 4 Jahre gewohnt hat und meine Schwester geboren wurde).
Sofort nachdem wir unsere Koffer im Hotel verstaut hatten fuhren wir weiter nach Rawson (der Hauptstadt
Chubuts). Dort wieder an den Strand und in ein britisches Teehaus (es sind damals wohl viele Waliser
nach Chubut gekommen. VOR dem Krieg der Malvinas!) Zurück in Neuquen blieben wir nochmals eine Nacht
und einen Tag bei unserer Tagesfamilie, ehe ich abends die Rückfahrt antrat. Jedoch wurde mir von der
Familie angeboten, sie im Juni nochmal zu besuchen. Eine der Betreuerinnen hat mich ebenfalls eingeladen,
sie in der Nähe eines SEHR berühmten Skiortes besuchen zu kommen. Da muss ich natürlich noch hin, ehe ich
nach Deutschland zurückfliege. Ich blieb eine Woche in San Juan ehe ich dann die nächste Reise antrat.
Ab nach Cordoba hieß es für mich, um die Familie zu besuchen, welcher ich es zu verdanken habe, nun hier
in Argentinien zu sein. (Naja zum Teil jedenfalls, denn es war vor 4 Jahren die Gastfamilie meiner Cousine.)
Es war eine sehr schöne Woche. Ich freute mich meine Cousine (die dieses Jahr in Uruguay verbringt) und viele
Freunde (unter anderem auch Nick Sander, der dieses Jahr in Cordoba lebt) wiederzusehen. Cordoba ist eine
wirklich schöne Provinz mit hübschen Städte. Aber es regnete sehr oft, was für mich total ungewohnt war
(wir in San Juan haben im Jahr durchschnittlich 340 Sonnentage!) Wir gingen oft aus und besichtigten viele
schöne Orte, zum Beispiel das Haus von Che Guevara oder die älteste Schule Lateinamerikas! Und nun bin ich
also wieder hier. In meinem "altem" Leben. Bald geht die Schule wieder los und ich freue mich schon ein
bisschen darauf. Endlich sehe ich meine Freunde wieder! Außerdem sind vor 2 Wochen die neuen Austauschschüler
angekommen, für welche wir nun am Wochenende eine kleine Feier machen wollen. Was gibt‘s noch zu erzählen?
Mir bleiben nur noch ganze 4 Monate hier in Argentinien. Die Zeit vergeht wirklich zu schnell...
Naja, das
war's erstmal. Ich hoffe euer Leben ist genauso aufregend wie das meine. Ich jedenfalls freue mich darauf,
euch alle wiederzusehen (auch wenn ich nicht wirklich zurück will!!! =( Viele liebe Grüsse an euch! Niklas
Solltet ihr noch Fragen haben oder mir was aus Münster berichten wollen, schreibt doch einfach. Ich freu
mich über jede Mail!
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