Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Niklas Wesseler in Argentinien, August 2007

Seit Dezember 2006 weiß ich, dass ich mein Auslandsjahr mit AFS (American Field Service) in Argentinien verbringen werde. Durch drei Informations- und Vorbereitungswochenenden und eine sehr persönlichen Betreuung im Komitee Münster eingestimmt, verließen Nick Sander und ich am 2. August Deutschland. Das Visum kam erst in letzter Sekunde, weil die Immigrationsbehörde aus Argentinien die Unterlagen für NRW Schüler erst sehr spät bearbeitete. Auf dem Flughafen Frankfurt erwarteten uns schon AFS-Betreuer, die uns bis zum Start der Maschine zur Seite standen. Die Handgepäck- und Personenkontrolle brachten wir recht schnell hinter uns. Andere hatten weniger Glück, weil ihre Einreiseerlaubnis nicht der üblichen Norm entsprach. Aber als der Flieger abhob, waren alle 33 AFS-er an Bord. Nach gut 16 stündigem Flug mit Zwischenstopp in Sao Paulo kamen wir in Buenos Aires an. Wieder warteten bereits einige AFS Betreuer, die uns mit Bussen ins Begrüßungscamp begleiteten. Alle Schüler, die ein Jahr mit AFS in Argentinien verbringen, trafen in diesem zweitägigen Camp aufeinander. Dort waren Italiener, Franzosen, Österreicher, Schweden, Schweizer, Deutsche, US Amerikaner (zumindest diejenigen, die ein Visum bekommen hatten), Belgier und viele mehr. Ein babylonisches Sprachengewirr par excellence. Wir einigten uns Englisch zu sprechen und siehe da, jeder verstand, was ich sagte. Später gab es eine Talentshow, in der die deutsche Gruppe fragte: "Lebt denn der alte Holzmichl noch?" Obwohl keiner den Text verstand und wir ihn wohl auch nicht fehlerfrei zusammen bekamen, machte jeder mit und die Stimmung war super.
In Argentinien ist es zu Zeit sehr kalt. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen schneite es zum Beispiel in Buenos Aires, San Juan und Cordoba zum ersten Mal. Die Kälte hielt uns aber nicht davon ab, am Samstag die wunderschöne Innenstadt von Buenos Aires zu besichtigen. Am Abend fuhren wir zur Busstation. Weil es in Argentinien kein ausgebautes Schienennetz gibt, fährt jeder mit einem Schlafbus, wenn er weite Reisen hat. Diese Busse sind super, endlich mal viel Beinfreiheit! Da wir, 2 US Amerikaner, eine Österreicherin und ich, die weiteste Busfahrt nach San Juan hatten waren wir die Ersten, die abfuhren. Leider hatten wir eine gut 15 stündige Fahrt vor uns.
San Juan liegt im Nordwesten und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz am Rand der Anden. Die Stadt gilt als die modernste Argentiniens, weil sie im Jahr 1944 durch ein Erdbeben nahezu vollständig zerstört und im Geist der damaligen Avantgarde der Architektur neu aufgebaut wurde. Sie hat etwa 120 000 Einwohner, das Einzugsgebiet (ähnlich dem Ruhrgebiets) ist durch Verschmelzen der Siedlungsgrenzen aber mit etwa 600 000 Bewohnern anzugeben. San Juan ist eines der bedeutendsten Weinanbaugebiete.

Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Niklas Wesseler in Argentinien, August 2007

Sonntags kamen wir um 10 Uhr Ortszeit (Zeitverschiebung: – 5 Stunden) an. Meine Gastfamilie Alicia und Jorge, Maria(21), Francisco (17) und Alan (15) erwartete mich mit einem Schild in der Hand auf welchem stand: "Buenvenidos Niklas". Der Empfang war sehr herzlich. Mittags gab es ein Asado, die argentinische Kunst des Zubereitens eines ausgesprochen saftigen Fleischstücks über/neben Holzkohle (sagt nie einfach "grillen" dazu, es wird hier zelebriert und das Fleisch schmeckt wirklich klasse). Später blätterten wir in meinem Gastgeschenk (ein selbstgemachtes Fotoalbum über Münster mit spanischen Erläuterungen). Alle waren begeistert vom Prinzipalmarkt und der Altstadt an sich. Und als sie das Bild mit den vielen Fahrrädern (aufgenommen hinter dem Hauptbahnhof) sahen, hat es ihnen die Sprache verschlagen.
Dienstag wurde ich "eingeschult". In meiner neuen Klasse gibt es glücklicherweise ein Mädchen, welches die schwere Sprache Deutsch beherrscht. Da alle mit mir sprechen wollten und viele Fragen hatten wurde die erste Pause nicht auf dem Pausenhof verbracht, sondern um einen kleinen Stuhl herum, auf welchem ein etwas eingeschüchterter Austauschschüler saß. Nach der Schule traf ich meinen Gastbruder Francisco. An der Hauptstraße warteten wir auf den Bus (Collectivo). Diese haben hier keine Haltestellen, man stellt sich einfach ein wenig auf die Straße und signalisiert durch Handzeichen, dass man mitfahren möchte. Auch einen Fahrplan gibt es genau genommen nicht. Man nimmt den Bus, der gerade kommt. Und irgendwann wird schon der nächste vorbeifahren. Abends trafen wir einige von Franciscos Freunden beim Essen, Wir unterhielten uns und tauschten Zungenbrecher aus. Natürlich schaffte es niemand "Streichholzschächtelchen" auszusprechen (Ich liebe dieses Wort!). Ach übrigens, die Empanadas waren großartig!
Mittwoch morgen verstand ich in den ersten beiden Stunden in Biologie nur, das es um Photosynthese ging. In Mathe konnte ich dann glänzen, denn binomische Formeln hatte ich ja zum Glück oft genug geübt. Nach den 3(!) Stunden Mathe konnte ich mich ausruhen. Meine Klassenkameraden mussten eine 2 stündige Arbeit in Chemie absolvieren (Atommodel) und ich durfte nicht im Klassenraum bleiben. So besichtigte ich die Schule. In der letzten Stunde stand Argentinische Literatur auf dem Plan und ich habe nichts verstanden, wahrscheinlich, weil ich mit dem Buch noch nicht ganz vertraut bin ;-D.
Ach ja, mit meinen Spanisch-Künsten geht's recht gut voran. Meine Gastmutter glaubt, dass ich in 4-5 Wochen alles verstehe und auch schon vieles sprechen kann. Ich bin da nicht so optimistisch, aber ich lasse mich überraschen.
Adios auf dem fernen Süden wo es gerade -3 Grad Celsius kalt ist und ich mir die Hände abfriere.
Niklas Weßeler

Zuletzt aktualisiert am 24.08.2008

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