Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Jana Fey in den USA, Oktober 2007

Ja, ich gehe auf eine High School. Das wollte ich schon immer mal sagen. Ja, ich gehe auf eine High School. Seit dem Wunsch, dies zu sagen und der Realität sind allerdings drei Jahre vergangen. Organisation auswählen, Bewerbungen schreiben, Auswahlgespräche - und was sagen die Eltern dazu? Noch mehr Bewerbungen, Telefongespräche, monatelanges warten - und wie finanzieren wir das jetzt? Das alles hinter einem gelassen, kommen angenommene Bewerbungen, Vorbereitungsseminare und irgendwann der ersehnte, erlösende Anruf: Ja, du hast eine Gastfamilie. Und nebenbei: ich habe die beste Gastfamilie der Welt. Dann geht alles ganz schnell. Visum besorgen, Koffer packen, Sommerferien, Abschlussparty, Flug, Ankunft. Und jetzt bin ich hier?! Seit ca. sechs Wochen. Kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Aber auch nicht. Ich kann mich noch genau an meinen Abflugtag erinnern. Trotzdem ist schon so viel passiert. Gastfamilie getroffen, neues Heim kennen gelernt, Amerika kennen gelernt, Neues entdeckt.. und nicht zu letzt: Heimweh. Ja, es hat mich gepackt. Und ich bin mir sicher, dass es jeden irgendwann packt. Es gibt einen Zeitpunkt in diesem Jahr, an dem du denkst: Was zum Teufel mache ich hier? HALLO? Ich will nach hause! Und du willst deine Koffer packen. Du willst zu deinen Freunden, zu deiner Familie, nach hause... Alles kommt einem schlecht vor. Anders. Man will weg. Mich hat dieses Gefühl gepackt. Kurz nachdem ich angekommen bin. Ich wollte wieder zurück. Nach good old Germany... aber ich wollte auch nicht aufgeben. Nicht am Anfang. Ich dachte es würde alles einfach sein, wenn ich ankomme. Doch das war es nicht. Ganz und gar nicht. Es ist eben ein anderes Land. Und auch wenn die Menschen aussehen wie wir, die gleichen Fernsehshows gucken und gleich kleiden. Es ist eine ganz andere Kultur in der ganz andere Wertvorstellungen existieren und in der die Menschen anders denken... Ich hab mir gesagt: Wenn du an deinem Geburtstag in sechs Wochen immer noch nach hause willst, dann machst du das.
Und was ist heute? Mein 16ter Geburtstag. My Sweet Sixteen. In zwei Stunden kommen die ersten Gäste und wir gehen gleich Filme ausleihen. Und? Ich will NICHT nach hause. Ich würde sogar sagen, ich liebe dieses Land. Die Menschen, die Schule.. das Leben hier. Nein, ich kann mir nicht vorstellen jetzt in Deutschland zu gammeln. Immer die gleichen Sachen zu machen und nichts neues zu erleben. Was will ich noch im kleinen Münster, wenn ich die Welt kennen lernen kann? Und zwar nicht als Touri, sondern als Teil.. als Teil der Menschen, aus einer ganz neuen Sicht, die mich jeden Tag einfach nur glücklich macht. Jeden Tag, wenn ich meine High School betrete (JA! Ich gehe auf eine High School), denke ich: Hammer! Ich hab zwar keine Communications Hausaufgaben gemacht, aber ich bin auf einer High School. Was will ich mehr? School Spirit! Es hat mich gepackt. Der Unterricht, die Sprache.. alles ist anders. Aber das ist gut. Wie unser Comm Lehrer, Mr. McDonald (ja, er heisst wirklich so), immer so schön zitiert: "Everything is complicated; if that were not so, life and poetry and everything else would be a bore."
Es ist gut, dass es hier ein bisschen kompliziert ist. Wenn alles so wäre wie in Deutschland, dann müsste ich nicht ins Ausland gehen. Und das muss einem klar sein. Wenn man in ein anderes Land geht, stößt man nun mal auf Neues, Unerwartetes.. und auch Unbequemes. Aber genau dafür macht man das ja. Das ist das Ziel eines Auslandsjahres. Das sind keine Ferien. Es ist arbeit. Man arbeitet an sich selber. Und ich habe gelernt, das zu genießen... und kann inzwischen stolz sagen: DAS, wird das beste Jahr meines Lebens. So. Bis ich einen Part 2 schreibe: jmf-91@web.de

Zuletzt aktualisiert am 24.08.2008

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