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Rats auf Reisen : Berichte aus dem Ausland
Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Felix Koopmann in Afrika, September 2011
Liebe Afrikainteressierte,
Rafiki ni tumbo Abschlussbericht
Für neun Monate war ich in Ostafrika, in Tansania, wo ich in einem Waisenheim gelebt und gearbeitet habe. Dort lernte ich die Sprache zu sprechen, die Menschen kennen und das Leben zu genießen.
Es war sehr interessant, eine komplett neue Kultur kennen zu lernen und sie am Ende auch zum größten Teil zu verstehen. Oft war es nicht leicht für mich, besonders am Anfang, als ich die Sprache nicht beherrschte. Aber auch zwischendurch gab es immer wieder neue Probleme, die mir die Zeit manchmal sehr schwer gemacht haben.
Nichts desto trotz bin ich im Ganzen froh und auch ein bisschen stolz auf mich, dass ich mir dieses Abenteuer vorgenommen und auch bewältigt habe.
Um allerdings zu diesem Fazit kommen zu können, musste ich erst einmal die Sprache lernen. Dies war die schwierigste, aber auch wichtigste Aufgabe, die ich bewältigen musste. Dafür hatten wir zwar einen Intensivsprachkurs in Deutschland gemacht, aber da ich selbstständig nicht wiederholt hatte, fing ich in Tansania fast wieder von null an.
Mein Problem war nur, dass es unabdingbar war, Kiswahili zu sprechen. Man kommt oft auch ohne die Sprache aus; um jedoch nicht wie ein Tourist behandelt zu werden und am tansanischen Leben teilnehmen zu können, musste ich sie möglichst schnell lernen.
Das interessante Phänomen, welches man bei jeder Sprache sehen kann, ist das Lernen durchs Sprechen. Ich hatte beispielsweise kein Wörterbuch dabei. Anfangs hatte ich mich etwas geärgert, doch dadurch musste ich einfachere Wörter benutzen oder nachfragen. Manchmal lernte ich dann zwar Wörter mit einer falschen Übersetzung, aber früher oder später wurde man aufgeklärt.
Durch das viele Sprechen konnte ich bereits nach wenigen Monaten große Fortschritte feststellen und am Ende meines Aufenthaltes behaupten, dass ich die Sprache fließend zusprechen vermag.
Jedoch ist nicht nur die Sprache wichtig, um die Menschen besser kennen zu lernen, sondern auch die Arbeit.
Für lange Zeit musste man sich immer wieder bei den Arbeiten durchsetzen. War es das Arbeiten auf dem Feld oder in der Küche, das Waschen der Klamotten, das Füttern der Babys oder auch einfach nur das Spülen des Geschirrs. Überall hieß es entweder mit Worten oder auch durch Taten: "Das sind Weiße, die können das bestimmt nicht". Ich muss zugeben, viele Arbeiten habe ich dort zu ersten Mal gemacht und alle anderen waren deutlich schneller und besser. Aber irgendwann hatte ich endlich geschafft, dass mich die Leute auch in diesen Bereichen akzeptierten.
Das Schöne an meiner Einsatzstelle war es, dass ich sofort herzlich aufgenommen wurde und mich wie zu Hause fühlen konnte. Im Allgemeinen werden Fremde in Tansania erst einmal als Gast und Freund gesehen. Da aber besonders die Schwestern bereits den Umgang mit Freiwilligen kannten, behandelten sie mich auf eine Weise, die es mir ermöglichte, mich schnell in "ihre" Familie zu integrieren. Dadurch wurden selbst besondere Feiertage, wie Weihnachten oder mein Geburtstag zu angenehmen Tagen, die man auch fern von der eigenen Familie genießen konnte.
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Rats auf Reisen : Berichte aus dem Ausland
Auf der Rundreise durch Tansania habe ich in einem Dörfchen am Tanganyikasee einen Laden gefunden, der am Dach den Spruch "RAFIKI NI TUMBO" stehen hatte. Überall findet man Läden oder auch Busse und Taxen, die zum großen Teil religiöse Sprüche oder andere Zitate aufgeschrieben haben.
Doch dieser eine Spruch gefiel mir ganz besonders. Es bedeutet "Der Freund ist der Magen" und spiegelt in etwa das Bild der Gesellschaft wieder. Wenn man in eine neue, fremde Stadt gelangt, hat man nicht das Gefühl, dass man dort nicht hingehört. Zwar wird man in der Regel zuerst von Leuten begrüßt, die einem etwas verkaufen wollen, aber man kann mit jedem beliebigen Menschen ein freundliches Gespräch beginnen. Auch das Vorurteil, dass sie das nur deines Geldes wegen machen, wird sehr schnell widerlegt.
In Deutschland ist man eher kalt und abweisend. Man will den Leuten nichts Schlechtes anreden, aber zu Beginn ist man doch eher zurückhaltend anderen gegenüber.
Besonders schön finde ich, dass man oft "mal eben so" zum Essen eingeladen wird. Ganz nach dem Spruch, dass man für Freunde gut sorgen muss, bekommt man überall ein gutes Essen und eine Cola (Es gibt zwar keine Müllabfuhr, aber selbst in den kleinsten Dörfern gibt es Cola).
Zum einen liegt das daran, dass in der Regel draußen gekocht wird und man die Leute besser einladen kann, aber zum anderen sind die Menschen dort einfach so freundlich.
In unserem Waisenheim wurde gefühlt immer für fünf Leute mehr gekocht, es könnte ja mal ein Gast vorbeikommen. Ganz nett fand ich es auch, als eine Schwester mal sagte: "Man wird nicht eingeladen, man kommt einfach!"
Oft hatte ich gehört, dass ein mehrmonatiger Aufenthalt in einem fremden Land eine Bereicherung für das Leben ist. Jetzt kann ich dieser Behauptung nur zustimmen. Viele Eindrücke von Tansania, die man über Medien im Laufe der Jahre erhielt, kann ich jetzt entweder widerlegen oder mit Sicherheit bestätigen.
In jedem Fall wurde mein Blick für die verschiedenen Situationen geschärft, sodass ich jetzt auch zu urteilen vermag. Eine solche Eigenschaft besitzen nur wenige und ich bin stolz darauf, dazu gehören zu dürfen.
Doch auch auf der sozialen Ebene konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln. Neben neuen Freundschaften zu anderen Freiwilligen konnte ich auch gute Beziehungen zu den Menschen vor Ort knüpfen und so einen Einblick in das soziale Netzwerk von Tansania erhalten.
Ich bin froh über meine Entscheidung, einen Freiwilligendienst angetreten zu haben und so ein Stück mehr von einem fremden Kontinent mit seinen fremden Kulturen erfahren zu können.
Es ist wirklich eine Bereicherung fürs Leben!
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Rats auf Reisen : Berichte aus dem Ausland
Jetzt möchte ich noch ein paar weitere Themen ansprechen:
- Essen/Zucker/Cola:
In Tansania gibt es ein Gericht, welches typisch für das Land ist: Ugali. Es ist Maismehl, das mit kochendem Wasser angerührt wird. Für Kleinkinder wird es flüssig gehalten und anschließend mit Zucker versetzt. Für die Erwachsenen wird es so lange gekocht, bis es eine etwas festere Konsistenz hat. Anschließend wird es zusammen mit Gemüse gegessen. Da es ohne Gewürze gekocht wird, ist der Geschmack fast neutral.Allerdings gibt es aber auch noch diverse andere Gerichte, die man am Straßenrand oder in Restaurants kaufen kann. Größtenteils handelt es sich dabei um Essen, das gebraten wird (Huhn, Kartoffeln, Eier,…, aber auch Teiggebäck).
- Autos/Straßen:
Toyota - wenn man glaubt, dass die Chinesen das Land im Griff haben, dann hat man sich getäuscht. Zumindest bei den Autos hat Japan ganz klar die Überhand. Jeder fährt Toyota. Und wenn man sich kein Auto leisten kann, dann fährt man "Dalla Dalla". Das sind Kleinbusse, natürlich von Toyota, in denen bis zu acht Personen sitzen können. Doch da jeder Fahrgast Geld einbringt, passen manchmal auch dreimal so viele Personen in den Bus. Dass es in ganz Tansania nur Schotterwege gibt, stimmt nicht. Aus Geldmangel findet man sie zwar häufig vor, aber die großen wichtigen Straßen sind fast alle geteert.
- Frauen:
Das, was dort fast jede Frau kann, können aus Deutschland so einige Männer nicht! Neben Arbeiten in der Küche oder mit den Kindern, arbeiten sie auch auf dem Feld oder tragen schwere Lasten auf dem Kopf, ohne Hände! Allein unser Waisenheim wird nur von Frauen geleitet, d.h. sie machen alle Arbeiten, egal wie schwer sie sind, selber!
- Weiße/Europa:
"In Europa haben alle Menschen ein großes Haus, ein Auto, eine Jacht und natürlich viel Geld!" Diese Charakterisierung eines Weißen erhielt man von fast jedem Tansanier, den man danach fragte. Dementsprechend nervig war es, dass aufgrund dessen jeder fünfte nach meinem Geld fragte. Hervorgerufen wurde dieses Bild des Weißen durch die vielen amerikanischen Soaps. Es ist dann kein Wunder mehr, dass sich fast alle Tansanier die "reiche Welt aus dem Norden" als wahres Paradies vorstellen. Auf der anderen Seite denken aber auch fast alle Europäer, aufgrund der in den Medien gezeigten Bilder, dass Tansania ein bettelarmes Land sei, in dem die Bürger nicht genügend Geld zum Leben hätten. Nach den Statistiken, die auf von Europäern festgelegten Grenzen basieren, stimmt das auch. In der Realität haben die Menschen zwar nicht viel Geld, können aber trotzdem ein angenehmes Leben führen. Es gibt nur ganz Wenige, die wirklich überhaupt nichts besitzen, aber solche Menschen gibt es selbst hier in Deutschland.
- Kinder/Süßigkeiten:
Süßigkeiten sind billig, sie kann sich jeder leisten und sie sind lecker! Kein Wunder, dass die Kinder sie lieben und immer haben wollen. Aus irgendeinem Grund hatte sich bei den Kindern das Gerücht herumgesprochen, dass die Weißen immer Süßigkeiten hätten. Manche Touristen bestätigten das Gerücht und verteilten ab und zu Bonbons. Ich wollte dies jedoch nicht und fand es nur noch nervig, als mich alle Kinder immer wieder danach fragten. Da sie dachten ich sei ein Italiener riefen sie immer: "Ciao, pipi!" (Ital. "Hallo" und Kisw. "Süßigkeit"). Um diesen Rufen zu entgehen und entgegenzuwirken fing ich an den Kindern zu zurufen: "Moin, pipi!" Darauf hin guckten sie immer sehr verdutzt, fragten aber nicht mehr weiter.
Dies war nun mein Abschlussbericht zu meinem Freiwilligendienst in Tansania/Iringa. Ich hoffe die Berichte haben allen gefallen und ihr konntet wenigstens etwas an meinem Leben in Tansania teilhaben.
Für mich persönlich hoffe ich, dass ich vielen das ferne und in der Regel unbekannte Tansania näher bringen und diverse Ansichten bestätigen oder verbessern konnte.
Ich freue mich, wenn ich bei einigen das Interesse zu einem ähnlichen Dienst geweckt habe und stehe gerne für weitere Fragen zur Verfügung!
Mit allerfreundlichsten Grüßen
Felix Koopmann
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