|
|
|
Rats auf Reisen : Berichte aus dem Ausland
Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Felix Koopmann in Afrika, November 2010
Liebe Afrikainteressierten!
Mittlerweile hat sich wieder genug Stoff angesammelt, um daraus einen weiteren Bericht zu verfassen, sozusagen den ersten richtigen über meine Zeit in Afrika.
Begonnen hat mein "Trip ins Nirgendwo" bei uns in Münster am Hauptbahnhof,
als ich mich von meiner Familie und meinen Freunden, die zur
Überraschung
vorbeikamen, verabschieden mussten. Wir hatten sogenannte
"Rail-and-Fly-Tickets", sodass man bequem mit der (Eisen)Bahn fahren
konnte
und sich keine Gedanken um die Hinfahrt zum Flughafen machen musste.
Wie man
es von der (Eisen)Bahn gewohnt war, hatten wir auch dieses Mal ein
bisschen
mehr Zeit um uns zu verabschieden...
Die Zugfahrt war Dank der modernen Technik des ICEs und meiner alten
Klassenkameradin und Freundin, die sich ebenfalls für das Abenteuer
entschieden hatte, recht erträglich, ebenso wie der Flug. Dieser ging
von
Frankfurt aus, über Kairo in Ägypten bis nach Entebbe in Uganda. Von
dort
aus wurden wir dann mit sogenannten "Taxis" (Kleinbusse mit ca. 15
Plätzen)
abgeholt und Zum Emmaus-Centre in der Nähe von Kampala gebracht. Diese
Fahrt
war schon ein bisschen spannender, da wir hier die Chance bekamen, uns
schon
mal an die völlig neue Umgebung, die rasanten Autofahrten und an die
starken, anhaltenden Regenschauer, bei denen die Autofahrer trotzdem
nicht
langsamer fuhren, zu gewöhnen.
Im E.-Centre verbrachten wir schließlich unsere "Eingewöhnungswoche",
ehe
wir die ca. 32 Stundenfahrt mit einem richtigen Bus nach Dar-Es-Salaam
in
Tansania antraten.
Während der Fahrt, die zur Überraschung aller in einem recht modernen
und
bequemen Bus stattfand, gab es keine besonderen Vorfälle, sodass man
die
Zeit hauptsächlich absaß und nur bei den Grenzübergängen ein bisschen
in
Panik geriet, da man nicht wusste, was man ausfüllen mussten und ob das
dann
schließlich auch reichen würde. Nach ein paar Minuten zittern, hatten
dann
aber alle, fast ohne Probleme, ihre Visa bekommen und die Fahrt konnte
weiter geführt werden. Nur in Tansania passierte dann das, womit alle
schon
gerechnet hatten: Ein Reifen war geplatzt. Da aber überall 2 Reifen
nebeneinander waren, hielt der Busfahrer es vermutlich nicht für nötig
diesen sofort zu wechseln, sondern erst nach ca. 2 Stunden.
Gegen 21 Uhr kamen wir dann im Agape-Centre in Dar-Es-Salaam an und
wurden
überaus herzlich mit Liedern, Umarmungen und sogar Kuchen und kalten
Getränken, begrüßt. Zufrieden fielen wir anschließend in unsere Betten
und
genossen den ruhigen Schlaf ohne Schlaglöcher und Sandpisten.
Für vier Tage blieben wir in dem Centre, wohnten dort und probierten
weiter,
fleißig Kiswahili zu sprechen oder auf den Märkten zu handeln. Es
gelang mir
sogar, Bilderbücher, mit Texten auf Kiswahili, Englisch und sogar
Deutsch
auf unter die Hälfte des eigentlichen Preises herunter zu handeln.
Eigentlich ist dies nicht möglich, da man als "Mzungu" immer den
"Reichen-Zuschlag" zahlen muss und wenn man kaum Kiswahili sprechen
kann
dann erst recht.
Bevor wir am Sonntag dann in unsere Einsatzstellen gebracht wurden,
sind wir
an unserem letzten Tag in Dar-Es-Salaam, früh morgens, an einen
wunderschönen Strand gefahren. Es war zwar ein bisschen für Touristen
ausgelegt, aber man fühlte sich Dank der Palmen, dem weißen Strand und
dem
blauen Meer, wie in der Karibik. Das war aber vorerst der letzte
Kurzurlaub,
den wir hatten, denn so schnell man in DAR angekommen war, so schnell
war
man auch wieder weg. Es begann nämlich der "Ernst des Afrikanischen
Lebens",
für mich sowohl in dem Kindergarten, als auch in der Schule des
Waisenhauses
in Tosamaganga, Iringa.
Im Kindergarten haben wir mit den Kindern gespielt und sie auch
gefüttert,
in der Schule durften wir am ersten Tag noch zuschauen. Am zweiten Tag
sollten wir dann sofort unterrichten, obwohl uns überhaupt nicht
gesagt
wurde, was und wie wir das
tun sollten. Das Ganze war dann auch dementsprechend chaotisch. Aber
auch
der Unterricht an diesen Tag hatte irgendwann ein Ende und ich konnte
mich
wieder anderen Sachen zuwenden.
|
|
Rats auf Reisen : Berichte aus dem Ausland
Schülerinnen und Schüler vom Rats im Ausland
Felix Koopmann in Afrika, November 2010
Jetzt ist schon unsere erste Woche vorbei und wir fangen an, uns immer
mehr
an das afrikanische Leben zu gewöhnen.
Wie es mir momentan geht, drücke ich am besten mal so aus: Zum ersten
Mal
in meinem Leben kann ich über einen längeren Zeitraum so viel Essen,
wie ich
will. (Nicht dass ich zu Hause dies nicht gekonnt hätte, oder dass das
Essen
nicht geschmeckt hätte (das hat es sogar sehr gut!)) Aber es wird quasi
von
mir verlangt, so viel zu essen, um nicht unhöflich zu sein. Das einzig
Schlimme daran ist, dass das Essen neben der großen Auswahl auch noch
richtig gut schmeckt! Da ist der Appetit immer viel größer als der
Magen...
Nebenbei nur mal ein kleiner Einblick in das Abendessen: Normalerweise
reicht es, wenn man einmal am Tag warm und dann am Abend nur noch Brot
mit
Käse und Wurst isst. Vermutlich, da es hier kaum Wurst und Käse gibt,
mussten sich die Sisters etwas anderes ausdenken. Schließlich haben sie
sich
entschieden, ein quasi Drei-Gänge-Menue zu servieren: Suppe - Ugali
(weißer
Maisbrei, hört sich komisch an schmeckt aber mit Beilage sehr gut),
Reis
(gibt es eigentlich nur zu besonderen Anlässen, aber anscheinend ist
unsere
Anwesenheit immer ein besonderer Anlass), als Fleisch gibt es in der
Regel
Huhn (aber ein richtiges, nicht so ein mit industriell gezüchtetes,
mit
Medikamenten vollgestopftes, fettiges Huhn, sondern so eins, bei dem
man den
Auslauf quasi erschmecken kann, den es in seinem Leben hatte), mal auch
noch
Kartoffeln, Spaghetti oder sogar Pizzabrot (!), und natürlich auch
Gemüse
(meistens gekochter Spinat, aber nicht so eine komische Pampe, die man
Tiefgekühlt in den Supermärkten kaufen kann, sondern frisch aus dem
eigenen
Garten und in dünne Streifen geschnitten, sodass selbst ich ihn gerne
esse)
- Obst (hauptsächlich Mangos und Bananen, die ihr quasi auch kaufen
könnt,
nur halt ohne die 10 Flugstunden und anderen hunderte von Kilometern).
Gut das war jetzt zwar ein bisschen viel geschwärmt, aber das Essen
wird in
Tansania, und besonders bei den Sisters, wirklich geschätzt und
dementsprechend gut zubereitet.
Also im Ganzen geht es mir sehr gut und ich fühl mich fast wie zu
Hause. Die
Arbeit macht mir ebenfalls Spaß, auch wenn sie manchmal sehr spontan
ist,
aber die Kinder sind super und richtig offen für Fremde, die noch nicht
mal
ihre Sprache richtig sprechen können.
Allerdings wäre das Leben ja langweilig, wenn alles perfekt laufen
würde
und so habe auch ich ein bisschen Heimweh, besonders wenn man wie jetzt
zum
Beispiel, einen Brief nach Hause schickt oder sich abends noch einmal
die
Bilder seiner besten Freunde und der Familie anschaut. Zum Glück habe
ich
hier meine neuen Freunde, die mir den Aufenthalt deutlich angenehmer
machen
und ohne die ich nicht in der Lage wäre diese Aufgabe zu bewältigen.
Ich
wünsche denen, die mich auch ein bisschen vermissen, ebenfalls das
Glück,
solche Freunde zu haben, mit denen die Zeit des Wartens erträglicher
wird.
Die Einwohner Tansanias haben den Trick erkannt, sich das Leben
angenehm
und schön zu gestalten, auch wenn es mal nicht so gut läuft: Anstatt
wie im
kalten Deutschland auf die Begrüßung "Wie geht es dir?" oder "Welche
Neuigkeiten gibt es?" mit "gut" bzw. "schlecht" oder wie es in der
Allgemeinheit üblich ist mit "geht so" zu antworten, kennen die
Tansanier
auf die Frage "Habari gani?" (wörtl.: Welche Neuigkeiten?) nur
"Nzuri!"
(gut!).
Diesen Spruch kann man sich ja mal zu Herzen nehmen, auch wenn es mal
nicht
so gut läuft.
Ich wünsche euch allen alles Liebe und ganz viele Grüße aus dem
warmen
Tansania!
Bis zum nächsten Bericht!
Euer Felix
|
|