Friedrich-Adolf Jahn wird 75 Jahre alt
Münster - "Politik aus christlicher Verantwortung - das war mein Grundsatz." Mehr als 22 Jahre hat Dr. Friedrich-Adolf Jahn die münsterische CDU im Bundestag vertreten, neun Jahre davon war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bau- und Justizministerium. Am heutigen 7. Mai 2010 feiert der Träger des Bundesverdienstkreuzes mit Stern und gebürtige Münsteraner - seinen 75. Geburtstag. Jahn, der 1955 sein Abitur auf dem Ratsgymnasium machte, hält bis heute Kontakt zu den Weggefährten von einst, verriet er im Interview mit WN-Redakteur Dirk Anger.

WN:Ganz unpolitisch: Wie geht es Ihnen zum 75., Herr Jahn?
Jahn: Ich fühle mich gut. Ich habe mich gerade von einem Sturz in der Wohnung erholt und war einige Wochen auf Gehstützen angewiesen. Aber jetzt geht es zum Glück wieder.
WN:So gut, dass Sie in dieser Woche beim Festakt zu Ehren des Alt-Bundeskanzlers Helmut Kohl waren .
Jahn: Auf Einladung der Bundeskanzlerin durfte ich am Festakt in Ludwigshafen teilnehmen. Es war eindrucksvoll, bewegend! Altbundespräsident Herzog hat die Verdienste von Helmut Kohl auch im geschichtlichen Hinblick ins rechte Bild gesetzt.
WN: Sie waren ein Weggefährte Kohls: Wie haben Sie den Ex-Bundeskanzler erlebt?
Jahn: Ich habe ihn sehr geschätzt, weil er nicht nur ein guter Politiker war, sondern dabei immer Mensch geblieben ist. Wenn ich zum Vortrag kam, hat sich Kohl stets zuerst erkundigt, wie es zu Hause geht.
WN: Und Angela Merkel?
Jahn: Als sie erstmals Ministerin wurde, habe ich ihr auf Wunsch des Bundeskanzlers einen Monat lang als juristischer Berater gedient. Das hat sie bis heute nicht vergessen. Ich darf sie sogar duzen.
WN: Was hat sich aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren geändert?
Jahn: Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen. Aber wir müssen heute aufpassen, dass der Gedanke des Gemeinwohls als Leitlinie beibehalten wird und nicht das Motto "Mein Wohl" um sich greift.
WN: Was meinen Sie konkret?
Jahn: Das Ehrenamt beispielsweise wurde früher als Selbstverständlichkeit erfüllt. Heute hat man Schwierigkeiten, die Leute dafür zu begeistern. Das fängt schon damit an, Wahlhelfer für die Wahllokale zu finden.
WN: Wie schätzen Sie die politischen Verhältnisse in Münster ein?
Jahn: In meinen Augen haben wir einen überzeugenden Oberbürgermeister, leider fehlt die Mehrheit im Rat. Wir müssen eine Politik anbieten, die wieder mehr Menschen für die CDU begeistert.
WN:Sie haben politisch viel erreicht: Was war der Höhepunkt?
Jahn: Dass es mir zusammen Hans-Jochen Vogel bei der Überarbeitung des Grundgesetzes nach der Wiedervereinigung gelungen ist, die Bewahrung der Schöpfung als Staatsziel ins Grundgesetz zu schreiben.
WN: Wofür haben Sie sich in Münster besonders eingesetzt?
Jahn: Dass das Ausbildungszentrum der Bundesfinanzverwaltung hierhin gekommen ist, dafür habe ich mich stark gemacht. Genauso wie für das Ausbildungszentrum des Handwerks am Aasee. Und für die Bahn-Unterführung am Kappenberger Damm, denn die war eigentlich als Überführung geplant. Das wäre eine städtebauliche Sünde geworden.
WN: Sie sind seit mehr als 40 Jahre verheiratet: Wie hat Ihre Frau Jutta, die einen Tag vor Ihnen Geburtstag hat, Sie unterstützt?
Jahn: Meine Frau hat mir immer den Rücken freigehalten und mir viele kluge Ratschläge gegeben. Sie hat ein ausgesprochen gutes Gespür dafür, wem man vertrauen kann.
WN: Stichwort Memoiren: Schreiben Sie ein Buch über Ihr politisches Leben?
Jahn: Ich überlege noch. Das Material habe ich gesammelt. Vielleicht zum 80. Geburtstag.
Aus: Westfälische Nachrichten vom 7. Mai 2010