Das Schulprogramm des Rats

4.3. Gesellschaftswissenschaften
4.3.5.Praktische Philosophie

Seit dem Schuljahr 2010/2011 wird am Ratsgymnasium Praktische Philosophie in der Jahrgangsstufe 5 zweistündig und zeitgleich zum Religionsunterricht unterrichtet. Das Fach soll sukzessive auch für die Jahrgangstufen 6-9 eingeführt werden.

Es nehmen diejenigen Schülerinnen und Schüler teil, die nicht den konfessionellen Religionsunterricht besuchen, weil sie keiner Konfession zugehören, denen ein Unterricht in ihrer Religion nicht angeboten werden kann oder bei denen eine Abmeldung vom Religionsunterricht aus Gewissensgründen vorliegt.

So eröffnet das Fach die Möglichkeit, dass alle Schülerinnen und Schüler für sich selbst und gemeinsam mit anderen über den Sinn menschlicher Existenz und über Maßstäbe des eigenen Handelns und gemeinsamen Lebens nachdenken. So trägt das Fach zur Persönlichkeitsbildung aber auch zur Sicherung eines toleranten und kooperativen Miteinanders im Schulleben bei.

Philosophieunterricht zielt auf das Ganze der Person - im Unterricht gehen die Schülerinnen und Schüler ausgehend von Alltagserfahrungen gemeinsam auf die Suche nach verantwortbaren Handlungsmaßstäben und Antworten auf existentielle Fragen. Der Lehrer regt die Kommunikation an, moderiert und sorgt für die Fortentwicklung des gemeinsamen Gesprächs mit dem Ziel sich selbst immer mehr zurückzuziehen und den Bezug der Schüler aufeinander zu fördern. Methodisch steht damit das kommunikative und dialogische Handeln nach Vorbild des Sokratischen Gesprächs im Vordergrund. Durch eine Vielfalt der Methoden und Lernformen soll der Schüler aber nicht nur in seinem argumentativen Denken angesprochen werden, sondern auch in seinem Empfinden und Handeln. Dazu gehören das philosophische Gespräch, Rollenspiele, der philosophierende Umgang mit Texten, Dilemmageschichten, Gedankenexperimente u.a.

Darüber hinaus orientiert sich das Fach am Kernlehrplan und an seiner Bezugsdisziplin "Philosophie". So gilt es im Unterrichtsverlauf drei Lernperspektiven zusammenzuführen: die persönliche Perspektive, die subjektiven Sichtweisen und individuellen Urteils- und Handlungsmaßstäbe aufgreift, die gesellschaftliche Perspektive, in der eigene Erfahrungen und Urteile in größere Zusammenhänge gestellt und gesellschaftliche Wertvorstellungen und -konflikte sichtbar gemacht werden, und die ideengeschichtliche Perspektive, die Antworten der Philosophie und großen Religionen und aktuelle Denkansätze in den Blick nimmt.

Inhaltlich werden sieben Fragenkreise im Unterricht behandelt:

  • Die Frage nach dem Selbst,

  • Die Frage nach dem Anderen,

  • Die Frage nach dem guten Handeln,

  • Die Frage nach Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft,

  • Die Frage nach Natur und Technik,

  • Die Frage nach der Wirklichkeit, der Wahrhaftigkeit und den Medien,

  • Die Frage nach der Herkunft, der Zukunft und dem Sinn des Lebens.

Dabei werden unter unterschiedlicher Schwerpunktsetzung im Verlauf der Jahrgangsstufen 5/6 bzw. 7-9 alle Fragenkreise obligatorisch behandelt. In den Stufen 5/6 werden zwei Fragenkreise doppelt behandelt, in den Stufen 7-9 fünf Fragenkreise doppelt.

So erwerben die SchülerInnen personale und soziale Sachkompetenz, die sie für ihre persönliche Lebensgestaltung, ihren weiteren Bildungsweg und ihr berufliches Leben nutzen können.


Zuletzt aktualisiert am 06.04.2011

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