Das Schulprogramm des Rats

4.3 Gesellschaftswissenschaften
4.3.6 Politik und Sozialwissenschaften

Das Unterrichtsfach Politik/Sozialwissenschaften ordnet sich als gleichberech-tigtes Teilfach in das gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld ein. Es ver-steht sich als wissenschaftspropädeutisches Fach mit einer großen Aktualitäts- und Zukunftsbedeutsamkeit. Hieraus resultiert die starke Einbeziehung von Alltagserfahrungen und Lebensbezügen in den Unterricht. Neben dieser Alltagsverankerung sind Problemorientierung und methodisches Arbeiten konsti-tuierende Elemente des Faches und seiner Vermittlung. Es geht somit nicht nur um die Verankerung von Unterrichtsinhalten, sondern auch um Mündigkeit, Selbstbestimmung in sozialer Verantwortung und demokratisches Denken und Handeln.

Orientiert am pädagogischen Leitbild der Schule, fördert das Fach Politik/Sozialwissenschaften in besonderer Weise die Fähigkeit zu kritischer Ana-lyse politischer, sozialer und ökonomischer Realität im Hinblick auf zugrunde-liegende Strukturen und Legitimationen, die Fähigkeit zur Bildung eines re-flektierten und selbstständigen Urteils auf der Grundlage eigener Wertorientierungen und die Bereitschaft, Chancen der Einflussnahme auf die Gestaltung der Gesellschaft zu nutzen.

In der Sekundarstufe I werden die Schüler konfrontiert mit thematischen Aspekten aus den Bereichen gesellschaftlichen Zusammenlebens, politischer Ordnung und Arbeitswelt. Der Methodenerwerb bezieht sich vor allem auf textanalytische Verfahren, online-Recherche, Rollenspiel, Beschreibung und Auswertung statistischen Materials, Fallanalysen usw. Projekt- und produktionsorientiertes Arbeiten gehören ebenfalls dazu wie auch der bewusste Umgang mit dem diskursiven Charakter des Faches.

Das für die Bildungs- und Erziehungsarbeit des Ratsgymnasiums wichtige Betriebspraktikum im 9. Schuljahr (G8) wird vom Politikunterricht vorbereitet, begleitet und nachbereitet. Im Rahmen der Öffnung von Schule und der Kooperation mit der Provinzial-Holding nehmen die Schülerinnen und Schüler der Stufe 8 an einem Bewerbungstraining in den Örtlichkeiten des Kooperationspartners teil, um dort von Experten Informationen bezüglich Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf, Vorstellungsgespräch, verschiedenen Berufsbildern und auch Schlüsselqualifikationen zu bekommen. Diese 2009 begonnene Maßnahme wird zusammen mit der Fachschaft Deutsch durchgeführt.

Das Fach arbeitet in weiteren Projekten fest mit anderen Fächern zusammen. Dies gilt in der Jahrgangsstufe 8 für das IKG (Informations- und kommunikationstechnologische Grundbildung)-Projekt "Zeitung", das gemeinsam vom Deutsch- und Politikunterricht getragen wird. Auch zum fächerübergreifenden Baustein der Medienerziehung (Ausbildung von Präsentationsfähigkeiten ‚Medienführerschein') leistet das Fach Politik in den Stufen 6, 8 und 9 zur Schu-lung von Einzel-, Partner- und Gruppenreferaten und besonders zum Kompetenzerwerb bzgl. Medieneinsatz (Plakat, Folie, Handout, Powerpoint), Recherche und Urteilsfähigkeit (Erstellen eines Beobachtungsbogens bzgl. Medieneinsatz, Recherchematerial und Präsentation) einen substanziellen Beitrag. Ein weiterer Bestandteil der Medienerziehung ist der Besuch der Verbraucherzentrale im Rahmen des Unterrichts der Stufe 6 (Verbraucherer-ziehung). Die Schülerinnen und Schüler gewinnen hier vertiefte Kenntnisse in Bezug auf den Umgang mit Handys. Alle Maßnahmen im Rahmen der Kooperation mit externen Partnern werden von den Schülerinnen und Schülern - vermittelt durch die Lehrkraft/den Fachvorsitz - jährlich mit diesen vorbereitet (z. B. Vorabfragebögen) und evaluiert (Inhalt, Zeit, Ort, etc.).

In der Sekundarstufe II wird das Fach "Politik" durch das Fach "Sozialwissenschaften" weitergeführt. Der schulinterne Lehrplan umfasst in der Einführungsphase die drei Bereiche Ökonomie (Marktwirtschaft ? Produktion, Konsum und Verteilung), Soziologie (Individuum, Gruppen und Institutionen) und Politik (politische Strukturen und Prozesse in der Bundesrepublik) unter den jeweiligen thematischen Erschließungen "Märkte mit den Prinzipien Wettbewerb und Eigentum vor dem Hintergrund der Leitidee der sozialen Marktwirtschaft", "Sozialisation und Identitätsbildung in unterschiedlichen kulturellen Milieus" und "Grundzüge des politischen Systems in der Bundesrepublik Deutschland (BRD)". Der letzte Bereich wird in der Jahrgangsstufe 10 unter dem thematischen Aspekt "Demokratietheorien und ihr Niederschlag im Grundgesetz" fortgesetzt. Es folgen in der Jahrgangsstufe 11 die Sequenzen "Wirtschaftspolitik in der BRD" und "Gesellschaftsstrukturen und sozialer Wandel". Für die Jahrgangsstufe 12 ist dann das Inhaltsfeld "Globale Strukturen und Prozesse" unter den Themen "Risiken und Chancen der europäischen Integration", "Internationale Konflikte - wie können sie gelöst werden?" und als Wiederholung zur Vorbereitung auf das Abitur "Die Bundesrepublik Deutschland zu Beginn des neuen Jahrhunderts - aktuelle Krisen zwischen Globalisierungsdruck und Reformstau" vorgesehen. Der Lehrplan für die Qualifikationsphase wird im Rahmen des Arbeitsplanes der Fachkonferenz jährlich aktualisiert.

Alle Schülerinnen und Schüler, die das Fach in der Stufe 11 nicht belegt haben, belegen es in der Stufe 12 als mündlichen Zusatzkurs (2 Wochenstunden). Hier werden analoge, jedoch inhaltlich geraffte Themen behandelt.

Das im Unterricht geforderte genaue Hinsehen auf scheinbare Selbstverständ-lichkeiten von Realität und Alltag, die fortwährende Reflexion über Chancen und Risiken des Individuums in einer hochkomplexen Gesellschaft, über die Vielfalt der Lebensformen, von denen Schüler sich umgeben sehen, über die Notwendigkeit von Zuhören und Kompromiss in einer Demokratie sollen die jungen Menschen für die Herausforderungen einer offenen Gesellschaft und eines demokratischen Staates stärken. Dies setzt voraus, dass eine Kultur des Gesprächs gepflegt wird. Hierin liegt einer der wichtigsten Beiträge zur Erziehungsarbeit, die vom Fach Sozialwissenschaften zu leisten ist.


Zuletzt aktualisiert am 15.04.2011

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