Das Schulprogramm des Rats

5. Jahrgangsstufenübergreifende Konzepte zur Bildung
5.1 Erprobungsstufe

Die Klassen 5 und 6, Erprobungsstufe genannt, bilden innerhalb der Sekundarstufe I eine pädagogische Einheit. Im Laufe dieser beiden Jahre werden die Kinder schrittweise und behutsam an Arbeitsweisen des Gymnasiums herangeführt. Ähnlich wie in den ersten Jahren der Grundschule gehen sie ohne Versetzung von der fünften in die sechste Klasse über. Die Arbeit in dieser Stufe vollzieht sich in vier wesentlichen Bereichen:

Erstens als Arbeit, die unmittelbar der Bildung und Erziehung in der Erprobungsstufe dient: Die Grundlage des unterrichtlichen Arbeitens in allen Fächern bilden die Richtlinien und jeweiligen Lehrpläne. Die auf das fachliche Lernen bezogene Arbeit, die der Erweiterung des Wissens und der Vertiefung des Verstehens von Zusammenhängen dient, findet durch verschiedene Angebote und Einrichtungen Unterstützung: Z.B. wird bei Bedarf Förderunterricht in kleinen Lerngruppen eingerichtet; in einer Lernwerkstatt werden durch Tipps und Training von Arbeitstechniken Sicherheit und Selbstständigkeit der Kinder in ihrer häuslichen Arbeit gefördert, auch werden sie in die Arbeit mit dem Computer eingeführt.

All dies erfährt seine notwendige Ergänzung in der Erziehung zur Rücksichtnahme, Gemeinschaftsfähigkeit und konstruktiver Zusammenarbeit während der Unterrichtsstunden. In den Pausen und bei sonstigen Anlässen des Zusammenseins wird sorgfältig darauf geachtet, dass Konflikte zu lösen nicht einfach den Kindern selbst überlassen bleibt, sondern sie schrittweise, auch mit Hilfe von zu Streitschlichtern ausgebildeten Schülern, lernen, kleinere und dann auch größere Streitigkeiten mit Einfühlungsvermögen und Vernunft zu beenden.

Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten wichtig, damit der schulische Weg eines Kindes durch die Erprobungsstufe gelingt. Sie wird auf vielen Wegen verwirklicht: Erziehungsberechtigte werden zu Einzelgesprächen über Leistungen oder Verhalten ihrer Kinder eingeladen. Es finden Elternabende statt, die Vorträge von Fachleuten mit anschließendem Gesprächsaustausch zu bestimmten thematischen Schwerpunkten bieten, z.B. zu Problemen des Übergangs von den Grundschulen zum Gymnasium, zum Umgang mit Fernsehen und Video, zu Fragen besonderer Begabungen, zur Problematik von Lernstörungen usw.; entsprechende Wünsche und Vorschläge von Eltern werden gern aufgenommen.

Die gesamte Jahrgangsstufe 6 nimmt am sog. Girls, bzw. Boys Day an einem besonderen Angebot teil. In Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum der Apostelkirchengemeinde beschäftigen sich die Jungen mit Themen wie der Stärkung der Selbst- und Fremdwahrnehmung, und damit der sozialen Kompetenz sowie der Unterstützung des Selbstfindungsprozesses. Die Mädchen arbeiten unter Leitung unserer Schulsozialpädagogin Frau Thier am Thema Kommunikationsregeln und Selbstbehauptung.

Die Eltern der Fünftklässler werden über Sinn und Arbeitsweise der sogenannten Lernwerkstatt informiert. Im Rahmen der suchtpräventiven Arbeit der Schule wird in Zusammenarbeit mit einer Fachkraft für Suchtvorbeugung der Stadt Münster ein Informationsabend veranstaltet. Im zweiten Halbjahr der 5. Klasse wird in einer Abendveranstaltung für die Eltern und durch Einzelberatungsgespräche die Sprachenwahl der zweiten Fremdsprache für die 6. Jahrgangsstufe vorbereitet. Drittens Aktivitäten, die sich auf die Zusammenarbeit mit den Grundschulen beziehen: Kontakte zu den Lehrkräften an den Grundschulen haben am Ratsgymnasium eine lange Tradition und finden jährlich zu Beginn des Schuljahres statt. Über die Einladungen der ehemaligen Grundschullehrkräfte zu den Erprobungsstufenkonferenzen hinaus finden vielfältig gegenseitige Unterrichtsbesuche statt, die dazu beitragen, die möglichen Probleme des Übergangs in die neue Schulform gering zu halten, dadurch, dass immer wieder die jeweils aktuellen Entwicklungen der Lern- und Arbeitsweisen zur Kenntnis genommen und in die eigene Arbeit mit einbezogen werden. Diese Form des Austauschs wird ergänzt durch gemeinsame Erörterungen bestimmter Sach- und Fachfragen, etwa zu den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik oder Sachunterricht, die in unregelmäßigen Abständen entweder an einer Grundschule oder am Ratsgymnasium auch in Zusammenarbeit mit dem Schlaun Gymnasium stattfinden. Viertens schulisches Leben in Aktivitäten am ersten Schultag und im weiteren Verlauf der Erprobungsstufenzeit: Ein erster Kontakt der neuen Schüler mit dem Ratsgymnasium findet bereits während des 4. Schuljahres statt: Die künftigen Fünftklässler und ihre Eltern werden auf einen Nachmittag im Juni eingeladen und lernen dabei schon ihre neuen Klassenlehrer sowie die meisten ihrer zukünftigen Mitschüler kennen. Währenddessen überbrücken die Eltern im Eingangsbereich der Schule mit Kaffee und Kuchen von Eltern der gegenwärtigen Fünftklässler versorgt die Zeit in Gesprächen mit Lehrern und Vertretern der Schulpflegschaft.

Am ersten Schultag werden die neuen Schüler mit ihren Eltern, Angehörigen und Freunden in einem ökumenischen Gottesdienst begrüßt, der mit Schülern vorangegangener Jahrgangsstufen vorbereitet worden ist. Anschließend treffen sich alle zu einem kleinen Empfang auf dem Schulhof, wo sie von der Schulleiterin begrüßt werden und der Erprobungsstufenleiter jedem Kind eine "Sextaner-Zeitung" überreicht, die aus Beiträgen und Zeichnungen bisheriger Sextaner erstellt ist. Nach kleineren Vorführungen gehen die Kinder mit ihren Klassenlehrern in ihre neuen Klassen.

Damit die neuen Klassengemeinschaften zusammenwachsen können, wird in der 5. Klasse eine Klassenfahrt durchgeführt. In jeder Klasse wirken je zwei oder drei Schüler der 10. und 11. Jahrgangsstufe als Paten mit, um besonders am Anfang, aber auch während der gesamten Erprobungsstufenzeit als Ansprechpartner in den Pausen zur Verfügung zu stehen; sie begleiten die Klassen bei Ausflügen und organisieren auch Treffen und Aktivitäten außerhalb des Unterrichts. Die Bedeutung der Paten liegt darin, dass sie als ältere Schüler soziale Verantwortung übernehmen bei der Betreuung der jüngeren. Diese wiederum lernen am Modell, um ihre Erfahrungen später an die nächste Schülergeneration weiterzugeben.

Seit dem Schuljahr 2005/2006 werden Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 8 durch Oberstufenschüler schulfachlich betreut (vgl. 6.1.3 und 7.2.1). Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag, je nach Interesse angeboten, wie z.B. Sport, Theater, Musik, Sprachen und Schach, runden das Angebot der Schule ab. Seit dem Schuljahr 2000/2001 besteht am Ratsgymnasium ein weiteres außerunterrichtliches Lernangebot, das durch das Schulamt der Stadt Münster besonders unterstützt wird: Unter dem Motto "Erleben-Entdecken-Experimentieren" können interessierte Schüler aus den 5. und 6. Klassen in kleinen Gruppen nach Neigung und Interesse an ausgewählten Fragestellungen arbeiten. Damit sollen Neugier und Entdeckerfreude gefördert und die Erfahrung klassenübergreifender Gemeinschaft angeregt werden. Die Kooperation mit dem Institut für Didaktik der Biologie sichert uns fachwissenschaftlich und fachdidaktisch exzellente Betreuung (vgl. 8.2.2).

Seit dem Schuljahr 2009/10 aufwachsend ab Klasse 5 gilt für alle Kinder der gebundene Ganztag, d.h. Montags, Mittwochs und Donnerstags Schule bis 14.45 Uhr (Klasse 5), bzw. Montags und Donnerstags bis 15.30 Uhr und Mittwochs bis 14.45 Uhr.

Bei Bedarf können Kinder auch von Montag bis Freitag bis 16 Uhr betreut werden.


Zuletzt aktualisiert am 04.04.2011

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